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Andrea Bruce

Fotojournalismus

Sanitäre Versorgung und Defäkation im Freien sind heikle Themen. Niemand möchte über diese Themen sprechen oder will, dass mangelhafte Zustände dokumentiert werden. Deswegen stellen sie ein so großes Problem dar. Keiner spricht darüber.

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Ein Thema, das Unbehagen bereitet: Sanitäre Versorgung

In unserer überbevölkerten Welt werden Wasser- und Nahrungsmittelressourcen aufgrund unzureichender sanitärer Versorgung verunreinigt – eines der tödlichsten Probleme der Menschheit. Aber Wörter wie Defäkieren im Freien – durch den Toilettenmangel erhöht sich das Vergewaltigungsrisiko von Frauen und Mädchen – und Fäkalien bereiten Unbehagen. Daher nehmen sich Politiker nur selten diesem Thema an. Indien möchte dieses Problem angehen und die Gesundheit der Bevölkerung und vor allem der Kinder verbessern. Das Land orientiert sich dabei an Vietnam.




F: Was hat Sie zu diesem Projekt inspiriert?

National Geographic hat mich angesprochen. Zunächst war ich vom Thema Defäkation im Freien ein wenig schockiert. Ich habe mich jedoch gleich gefragt, wie ich das Thema schön, respektvoll und ehrlich darstellen kann. Da ich Herausforderungen mag, habe ich den Auftrag angenommen. 

F: Wie haben Sie die Länder ausgewählt und welche Vorbereitungen haben Sie vor der Reise getroffen?

Ich habe mich über die sanitäre Versorgung weltweit informiert und mit Forschern und Experten gesprochen. Am Ende der Recherche hatte ich sechs Länder ausgewählt, das Budget reichte jedoch nur für drei. Die Wahl fiel auf Indien, da es hier – aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte – die größten Probleme gibt und sich die indische Regierung heute stark für die Verbesserung der sanitären Versorgung einsetzt. Haiti kam aufgrund der Naturkatastrophen in jüngster Vergangenheit dazu. Diese haben die bereits bestehenden Probleme in der sanitären Versorgung des Landes verschärft. Und Vietnam ist für mich eine Erfolgsgeschichte. Vor mehr als zehn Jahren konzentrierte sich eine groß angelegte Initiative darauf, die Defäkation im Freien zu beenden. Diese Initiative hat sich äußerst positiv auf die Gesundheit der Bürger ausgewirkt. 

F: Wussten Sie vor Ihrer Reise, welches gesellschaftliche Problem die sanitäre Versorgung vor allem für Frauen darstellt? 

Ja. Ich hatte davor schon einige Zeit in Indien verbracht. Man sieht immer wieder, wie Frauen morgens und abends gemeinsam zu den Feldern oder den Eisenbahntrassen gehen. Mir war bewusst, dass sie sich zu ihrer eigenen Sicherheit in Gruppen bewegen. Denn hier passieren viele Vergewaltigungen. Ich wusste jedoch nicht, dass in so vielen Ländern weltweit die Notdurft im Freien verrichtet wird.

F: Was hat Sie auf Ihrer Reise am meisten überrascht?

Man bemerkt auf Reisen in solche und andere Länder sehr schnell, wie schlecht die sanitäre Versorgung ist. Die wachsenden Weltbevölkerung – ein Wachstum, das Regierungen überfordert – ist das größte Problem der Menschheit. Ohne eine funktionierende sanitäre Versorgung gibt es kein sauberes Wasser. Am schlimmsten sind von dem Problem die Ärmsten betroffen. Mich hat es sehr bedrückt zu sehen, wie viele Menschen quasi in ihren Fäkalien leben. Der Umgang mit dieser Verunreinigung gehört zu ihrem täglichen Leben. 

F: Sie waren in Vietnam, Indien und Haiti. Wie lange waren Sie unterwegs und welchen Herausforderungen haben Sie sich bei Ihrer Arbeit gestellt?

Insgesamt war ich etwa zwei Monate unterwegs. Die größten Herausforderungen waren der Zugang zu den Menschen und Gefahren. Sanitäre Versorgung und Defäkation im Freien sind heikle Themen. Niemand möchte über diese Themen sprechen oder will, dass mangelhafte Zustände dokumentiert werden. Deswegen stellen sie ein so großes Problem dar. Keiner spricht darüber. In Haiti habe ich den Ausbruch der Choleraepidemie nach Hurrikan Matthew dokumentiert. Die Überflutungen stellten eine Gefahr dar und die Epidemie war überall präsent. Wir mussten sehr vorsichtig sein.

F: Wie haben Sie Orte und Personen ausgewählt? War es schwierig, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen?

In Indien bin ich in einige Dörfer zurückgekehrt, in denen ich bereits gearbeitet habe. Ich wusste, dass die Einwohner ihre Notdurft dort im Freien verrichten. Vertrauen ist wichtig. Und diese Dorfgemeinschaften kannten mich. Wir haben uns auf drei Regionen konzentriert. In diesen Regionen haben die Regierung und andere Institutionen bereits Maßnahmen eingeleitet. 

F: Welches Bild aus dieser Reihe liegt Ihnen besonders am Herzen?

Mich berühren vor allem die Fotos aus Indien, auf denen Menschen an den Eisenbahnschienen entlanggehen, um einen Platz für ihre Notdurft zu finden. Dieses tägliche Ritual wirkt sich nicht nur auf das seelische Wohlbefinden aus, sondern auch auf die Gesundheit. Für diese Menschen wird der tägliche Toilettengang, ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, zum Problem. 

F: Welche Kamera und Objektive hatten Sie dabei?

Ich habe eine Nikon D850 und eine D800 mitgenommen. Sie sind relativ klein, leicht und robust. Landschaftsaufnahmen habe ich mit dem Zoomobjektiv AF Zoom-Nikkor 80–200 mm 1:2,8D ED gemacht. Hauptsächlich habe ich jedoch Objektive mit Festbrennweite verwendet: AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,8G, AF-S NIKKOR 58 mm 1:1,4G und AF-S NIKKOR 28 mm 1:1,8G.

F: Welche Botschaft möchten Sie mit Ihrer Dokumentation vermitteln?

Auch wenn manche von uns in Ländern mit guter sanitärer Versorgung leben, ist die Welt doch kleiner als wir denken. Alles steht im Zusammenhang. Wir müssen uns um Probleme wie die sanitäre Versorgung kümmern und nach kostengünstigen Lösungen suchen. 


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