Nikon Imaging | Deutschland | Europa

Yuri Kozyrev

Fotojournalismus

Indem sie über die Flüchtlingskrise berichten, helfen die Journalisten den Migranten, eine Identität zu bekommen. Wir tragen dazu bei, die Wahrnehmung zu beseitigen, dass die Menschenmassen eine „ungenannte Bedrohung“ sind, die die europäischen Küsten erreicht.

Beeindruckende Stories

Über die Europäische Flüchtlingskrise

Wir erleben derzeit die größte Völkerwanderung seit dem Zweiten Weltkrieg. Obwohl viele der Migranten auf der Suche nach einem besseren Leben sind, sind die meisten Flüchtlinge Menschen, die der Verfolgung in ihren eigenen Ländern im Nahen Osten und in Afrika entkommen möchten. Auf dem Weg der Migranten von der Türkei über Griechenland, den Balkan und Ungarn dokumentiert Yuri Kozyrev ihre Widerstandsfähigkeit gegen erniedrigende Umstände, wenn sie über tausend Meilen auf dem Land- und Seeweg unterwegs sind.




F: Warum wollten Sie diese Geschichte erzählen?

2015 hat die Flüchtlingskrise die Nachrichten dominiert.Fast 3 Millionen Menschen haben 2015 und 2016 um Asyl in der Europäischen Union ersucht, aber die Art und Weise, wie sie angekommen sind, war chaotisch und Tausende sind bei dem Versuch ums Leben gekommen.
Das ist eine der größten humanitären Krisen, die die Welt je erlebt hat, und eine der größten Massenmigrationen nach Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Solange die Kriege weitergehen, werden Menschen vor ihnen die Flucht ergreifen. Und andere werden auch weiterhin versuchen, zu migrieren, selbst, wenn andere Länder sie nicht aufnehmen werden.

F: Was hat Sie bei den Shootings am meisten überrascht?

Das Tempo und der Umfang der Migration ist einfach unglaublich und die Boote kommen jeden Tag weiter an. Die griechischen Inseln haben die Hauptlast einer überwältigenden Welle von Schmugglerringen aus Syrien getragen, aber die Küstenwache schickt niemals eines der ankommenden Boote zurück. Sie versuchen, die Flüchtlinge sicher an Land zu bringen. Aber selbst das kann gefährlich werden, wenn die Schmuggler sich gegen die Küstenwache zur Wehr setzen.

F: Welche Bilder fassen diese Geschichte für Sie zusammen?

Nichts erfasst das Ausmaß der Flüchtlingskrise dieses Sommers in Europa so sehr wie die vielen kaputten Schlauchboote und Rettungswesten, die über die östlichen Inseln Griechenlands verstreut sind. Die Strände, an denen die Touristen sich normalerweise in der Sonne aalen würden, sind praktisch übersät mit diesen Gegenständen, die teilweise zu Haufen aufgetürmt wurden, die ein Olympiaschwimmbecken füllen würden. Wenn man sie lange genug anschaut, beschleicht einen unweigerlich irgendwann der Gedanke, dass irgendjemand irgendwo einen riesigen Gewinn damit macht, diese Dinger zu verkaufen.

F: Was hat Sie an den Migranten und Flüchtlingen, die Sie fotografiert haben, am meisten beeindruckt?

Trotz der außerordentlich schwierigen Bedingungen schienen sie nie der Verzweiflung nachzugeben. Man würde vermuten, dass diese Menschen an diesem Punkt innerlich zerbrochen wären, nachdem sie tagelang in der glühenden Hitze warten oder Tausende von Kilometern über Land und Meer reisen mussten. Aber sie lächeln. Sie sind glücklich. Der Übergang mag zermürbend sein, aber sie sind auf dem Weg in Länder, wo sie Sicherheit finden und ihr Leben wieder aufbauen können. Das ist es, was sie antreibt, die Hoffnung.

F: Wie lange waren sie vor Ort und welche Ausrüstung haben Sie eingesetzt?

Von Ende August bis Mitte September 2015 bin ich den Flüchtlingen im Auftrag des Time Magazins von der Türkei über Griechenland, den Balkan und Ungarn gefolgt. Ich arbeite seit 2008 mit Nikon und für dieses Shooting habe ich die Nikon D810 und mein Lieblingsobjektiv, das AF Nikkor 35 mm 1:2D verwendet.

F: Welche Bedenken haben Sie, wenn es darum geht, emotionale Geschichten wie diese zu erzählen?

Wenn es zu einer Katastrophe größeren Ausmaßes kommt, ist die verständliche Reaktion der Journalisten, so schnell wie möglich dorthin zu fahren und die interessantesten Geschichten aufzuspüren. Das dient einem nützlichen Ziel: den Menschen zu erzählen, was das Problem ist, wer davon betroffen ist und welche Art von Hilfe jetzt gefordert ist.Aber diese Geschichten bergen auch das Potenzial in sich, uns zu distanzieren.  Es gibt einen Punkt, wo wir von der Information erschlagen werden und abschalten. Einige werden sogar angriffslustig und fragen sich: „Warum wird uns ständig gesagt, dass uns diese Fremden leidtun sollen?“

F: Was wünschen Sie sich, was die Leser aus dieser Geschichte erfahren?

Indem sie über die Flüchtlingskrise berichten, helfen die Journalisten den Migranten, eine Identität zu bekommen. Wir tragen dazu bei, die Wahrnehmung zu beseitigen, dass die Menschenmassen eine „ungenannte Bedrohung“ sind, die die europäischen Küsten erreicht. Jeder der Flüchtlinge in dieser Massenmigration ist ein Mensch. Sie alle haben individuelle Geschichten und haben in ihrer ehemaligen Heimat eine Reihe von Traumata erlitten.



Weitere Nikon-Ambassadors