Wildlife-Fotografin Lina Kayser darüber, wie sie Verbindungen aufbaut und Emotionen von Tieren mit der Z 9 einfängt

Lina Kayser7 Minuten Lesezeit09 Feb. 2024 Was ich gelernt habe als
Nikon magazine assets for Lina Kayser's What I've Learned as series.

Im fünften Teil unserer Reihe „Was ich gelernt habe“ teilt die norwegische Nikon-Creatorin Lina Kayser ihre wichtigsten Erfahrungen – vom Aufbau von Selbstvertrauen bis hin zu Instagram-Strategien

Lina Kayser lebt ihren Traum. Von einer spektakulären Lodge im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark in Norwegen aus hat die Tier- und Naturfotografin wilde Rentiere, Polarfüchse, Steinadler und Moschusochsen ganz in ihrer Nähe. Sie leitet hier ihre eigenen Fotografie-Workshops und veranstaltet seit 2018 Schiffsexpeditionen zum Spitzbergen-Archipel. Im Gespräch mit dem Nikon Magazin verrät die Nikon-Creatorin die wichtigsten Lektionen, die sie in den letzten zehn Jahren gelernt hat.

Ich war nicht immer Wildlife-Fotografin

„Zunächst habe ich Hunde fotografiert und mich dann der Natur und der Landschaft zugewandt“, erinnert sich Lina. „Die Genres der Fotografie sind fließend – und erst als ich mein erstes Teleobjektiv erhielt, habe ich mich mit der Tierwelt beschäftigt.“

„Schon als ich aufwuchs, habe ich mich für die Natur interessiert. Das habe ich der Liebe meiner Eltern zur Natur zu verdanken. Ich ging wandern und wünschte mir, ich könnte die erhabene Landschaft einfangen. Dann habe ich begonnen, mir die alte Nikon-DSLR meines Vaters auszuleihen. Ich war fest entschlossen, mich mit den manuellen Einstellungen vertraut zu machen, und habe viel Zeit damit verbracht, Kameraanleitungen zu lesen. Ich wollte im Umgang mit der Kamera besser sein als er!“ Lina lächelt.

Nach einiger Zeit in einem Unternehmen kündigte Lina ihren Bürojob und gründete 2016 mit befreundeten Menschen aus ihrem Umfeld eine Hundeschule. Dies, zusammen mit einem Foto-Workshop auf Island, war der Wendepunkt in ihrer Karriere. Von ihrer Reise nach Island kam sie mit Hunderten von Fotos nach Hause und begann, diese auf Instagram zu posten. „Mein Instagram-Account ist förmlich explodiert“, erinnert sich Lina. „Innerhalb eines Jahres hatte ich mehr als 80.000 Follower:innen.“ Sie postete täglich Fotos und kommunizierte mit anderen Fotograf:innen auf der Plattform.

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Social Media für Networking verwenden

Durch den Aufbau einer Social-Media-Präsenz konnte Lina neue Kontakte knüpfen und Foto-Workshops planen. „Als ich Nikon anschrieb und eine Partnerschaft vorschlug, riefen sie mich zurück und bekundeten ihr Interesse“, erzählt sie. 2017 wurde sie Gastrednerin und hielt in Zusammenarbeit mit Nikon in einem Fotogeschäft in Stockholm einen Vortrag über ihre Karriere. Dies war der Startschuss für ein neues Kapitel als Teil der Nikon-Familie.

„Ich würde allen immer empfehlen, Fotograf:innen auf Instagram nach Kameraeinstellungen und Bildgestaltung zu fragen. Dann kann man sie später selbst ausprobieren“, sagt Lina. „Wenn ich die Gegend, in der ich fotografiere, nicht gut kenne, komme ich über Social Media ganz einfach mit Einheimischen in Kontakt. Sie zeigen mir die besten Orte zum Fotografieren.“

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Das NIKKOR Z 100-400mm f/4.5-5.6 VR S ist ein vielseitiges Objektiv für Wanderungen

„Das neue NIKKOR Z 100-400mm f/4.5-5.6 VR S ist ein fantastisches, erschwingliches Objektiv für Natur- und Landschaftsaufnahmen – vor allem auf Wanderungen“, erläutert Lina. „Es ist ausgesprochen scharf und eine tolle Alternative zu meinem AF-S NIKKOR 400mm f/2.8E FL ED VR (in Verbindung mit dem Bajonettadapter FTZ II), wenn ich an meiner Nikon Z 9 ein leichteres Objektiv verwenden möchte.“

Neben diesen Objektiven nutzt Lina das NIKKOR Z 800mm f/6.3 VR S, das NIKKOR Z 85mm f/1.2 S, das NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S und das NIKKOR Z 40mm f/2. Außerdem verwendet sie die Nikon Z30 mit dem NIKKOR Z DX 16-50mm f/3.5-6.3 VR. Damit fotografiert sie aus der Hand und ohne Filter.

„Die Z30 ist eine großartige kompakte Kamera, die ich einpacke, wenn ich wandern gehe und andere Ausrüstung mitnehmen möchte“, erläutert sie. „Sie eignet sich gut für Schnappschüsse und Videos für Instagram-Reels.“

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Emotionen von Tieren einfangen

„Ich liebe es, wenn Fotograf:innen das Beste aus ihrer Ausrüstung herausholen“, fährt Lina fort. „Manchmal sagen Leute: ‚Ich kann nicht so fotografieren wie du, weil ich mir deine Ausrüstung nicht leisten kann.‘ Ich habe aber mit der D7000 und dem AF-S NIKKOR 50mm f/1.4G angefangen. Beim Fotografieren geht es vor allem darum, ein Auge für Emotionen, Licht und den Bildausschnitt zu entwickeln Es ist wichtiger, Emotionen einzufangen, als technisch perfekt zu sein. Mein bester Tipp ist, am frühen Morgen zu fotografieren, wenn der Himmel noch rosa ist. Oder bei Sonnenuntergang. Wenn ihr den ganzen Tag unterwegs seid, solltet ihr früh aufstehen, den Ort erkunden und so wenig wie möglich mitnehmen.“

Einsteiger:innen sollten mit der Zeitautomatik beginnen

Die Zeitautomatik ist ein Kameramodus, in dem ihr die Blende fest einstellen könnt, während die Kamera die Belichtungszeit auswählt. Lina hat mit der Zeitautomatik begonnen, bevor sie vollständig manuell arbeitete. „Ich bin in den vollständig manuellen Modus gewechselt, als mir klar wurde, dass ich ständig gegen die Kamera arbeitete“, erinnert sie sich. „Für diese Entwicklung sollte man sich Zeit lassen.“

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In Parks Selbstvertrauen aufbauen

„Man kann genauso gut in Städten und Parks fotografieren“, erklärt Lina. „Das ist eine fantastische Übung, die das Selbstvertrauen stärkt. Denn Stadttiere sind eher an Menschen gewöhnt und bleiben daher länger unbewegt.“ Linas Tipps zum Fotografieren von Tieren im urbanen Umfeld findet ihr hier.

„In Norwegen sind die meisten Tiere sehr scheu. Daher trage ich Tarnkleidung, um nicht aufzufallen. Und ich achte darauf, keine plötzlichen Bewegungen oder Geräusche zu machen“, erzählt sie. „Ich würde immer empfehlen, zunächst je nach Tier und Situation 10 bis 200 Meter entfernt zu bleiben, sich hinzusetzen und das Verhalten der Tiere zu beobachten. Erst dann gehe ich näher heran, sofern dies möglich und sicher ist.“

1/3000 Belichtungszeit für Vögel im schnellen Flug

„Versucht es bei kleinen, schnell fliegenden Vögeln mit einer Belichtungszeit von 1/3000 s oder kürzer und bei größeren Vögeln wie Adlern mit etwa 1/2000 s“, rät Lina. „Für Moschusochsen, die sich langsam bewegen, brauche ich keine kurze Belichtungszeit. Man muss ein Gefühl für die Situation entwickeln. Wie ist das Licht? Wie ist das Wetter? Wie verhalten sich die Tiere? Ich mag ein weiches Bokeh im Hinter- und Vordergrund – deshalb fotografiere ich immer mit Offenblende.“

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Belichtungswarnung beim Fotografieren im Schnee einschalten

„Schnee kann den Kamerasensor vor Probleme stellen“, so Lina. „Ich erinnere mich, dass ich in meinen Anfängen zu dunkle, graue Bilder aufgenommen habe, weil die Belichtung an meiner DSLR falsch eingestellt war. Im elektronischen Sucher einer spiegellosen Kamera könnt ihr das Bild bereits in der Vorschau sehen – was fantastisch ist. Ich empfehle jedoch, die Spitzlichterwarnung eingeschaltet zu lassen, damit ihr die Belichtung recht hoch einstellen könnt: Die Kamera warnt euch, wenn die Spitzlichter ausbrennen. Stellt die Belichtung heller ein, als ihr denkt, und korrigiert sie dann ggf. in der Nachbearbeitung. Ich verwende für die Bearbeitung Adobe Lightroom und empfehle immer, die Lichter, Schatten und Farbtöne zu bearbeiten.“

Mehr lesen: Fotografieren von Winterlandschaften – ein Leitfaden für Fortgeschrittene

Die wichtigste Lektion, die ich im Laufe der Jahre gelernt habe …

„Als Kind habe ich unzählige Naturdokumentationen gesehen und dachte immer, die Orte für solche Aufnahmen seien unzugänglich oder ein Besuch zu teuer. Aber es gibt so viele Orte, die gut erreichbar oder kostenlos sind“, berichtet Lina. „Man muss auch nicht den ganzen Tag im Wald sitzen. Ihr könnt eine Beobachtungshütte besuchen oder mit lokalen Führer:innen einen Ausflug unternehmen. Es gibt immer jemanden, der euch dabei unterstützt, eure Ziele zu erreichen. Wenn es euch gelingt, diese Kontakte zu knüpfen, das Verhalten von Tieren zu studieren und zu lernen, wie man sich Tieren ethisch und sicher nähert, seid ihr auf dem besten Weg, beeindruckende Fotos zu machen.“

Hier könnt ihr Linas Abenteuern folgen.

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