Vogelfotografie für Anfänger:innen mit der Z5II und Samuel Houcken

Samuel HouckenNatur und Tiere04 Feb. 20265 Minuten Lesezeit
Nikon magazine - beginner bird photography with the Z5II and Samuel Houcken

Naturfotograf Samuel Houcken über Licht, Farbe und die rasante Performance der neuen Nikon Z5II

Die Vogelfotografie ist eines der anspruchsvollsten Genres. Schnelle Bewegungen, lange Brennweiten und unberechenbares Licht können überwältigend sein – besonders am Anfang. Für den Naturfotografen Samuel Houcken kommt der Erfolg aber eher davon, dass man lernt, sich ein Bild vorzustellen, anstatt sich auf komplizierte Ausrüstung zu verlassen.

„Ich will mit meinen Bildern zeigen, wie ich die Natur sehe“, sagt Samuel, der in Norddeutschland lebt. „Ich beobachte meine Umgebung, um zu sehen, was möglich ist – das lernt man einfach durchs Ausprobieren.“ Er achtet meistens auf die Lichtrichtung, einen einfachen Hintergrund und wie sich ein Vogel durch das Bild bewegt.

„Ich mag es, den Bildausschnitt auszufüllen, manchmal eher künstlerische Low- oder High-Key-Bilder, und ich bin bekannt für meine farbenfrohen, harmonischen Kompositionen“, sagt er. „Perspektive und Licht sind jedoch immer das Wichtigste.“ Was würde also passieren, wenn das Nikon Magazin ihn auffordern würde, seine professionelle Z8 gegen die 24-Megapixel-Z5II auszutauschen und in seiner Heimatstadt zu fotografieren? Finden wir es heraus.

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Samuels Ausrüstung

Nikon magazine - beginner bird photography with the Z5II and Samuel Houcken

Z5II + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 600 mm, 1/4000 s, f/6.3, ISO 1000, ©Samuel Houcken

Besonderes Licht

Kurz vor Sonnenaufgang machte sich Samuel auf den Weg zum Strand von Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern, um die Goldene Stunde zu nutzen: Warmes Licht und der Morgennebel sorgen dann für eine besondere Atmosphäre. Da es ein Hotspot für Kraniche ist, hat er seine Z5II auf Zeitautomatik gestellt und f/6.3 gewählt (die größte Blende bei seinem 600-mm-Objektiv), um so viel Licht wie möglich reinzulassen und die Vögel trotzdem scharf abzubilden. Die Kamera wählte eine kurze Belichtungszeit von 1/4000 s, mit automatischer ISO-Anpassung bei wechselnden Lichtverhältnissen. „Ich wollte die Kraniche klein im Bild haben, mit einer aufsteigenden Flugbahn, um Bewegung ins Bild zu bringen“, sagt er. Das Gegenlicht brachte die Silhouetten und die Partikel in der Luft zum Leuchten. Dadurch entsteht ein Gefühl für die Weite anstelle einer Detailbetrachtung. „Wenn das Sonnenlicht durch die Wolken fällt, ist es wie ein Diffusor“, sagt er. „So erhält man die größte Vielfalt: goldene Farbtöne, High Key, Low Key und verschiedene Perspektiven.“

Samuel positioniert die Kamera neu und passt den Belichtungswert an

Z5II + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 600 mm, 1/1000 s, f/6.3, ISO 640, -1,67 Belichtungswert ©Samuel Houcken

Perspektive sorgt für Dramatik

Samuels Topp-Tipp? Verharrt niemals in derselben Position. In Fischland-Darß-Zingst hat er einen Haubentaucher aus niedriger Perspektive fotografiert, der gerade seine Flügel ausbreitet. „Wenn der Hintergrund klar und das Wasser ruhig ist, könnt ihr euch voll und ganz auf die Komposition konzentrieren“, sagt Samuel. „Das sind perfekte Gelegenheiten, um zu lernen, wie sich Brennweite und Entfernung auf ein Bild auswirken.“ Mit der Zeitautomatik bei f/6.3, um genug Tiefenschärfe zu kriegen und gleichzeitig das Motiv hervorzuheben, hat die Kamera eine kurze Belichtungszeit von 1/1000 s gewählt – wobei die ISO-Automatik bei Lichtveränderungen eingriff. Samuel hat den Bildausschnitt absichtlich um -1,67 Stufen unterbelichtet, um einen tieferen Hintergrund zu schaffen. Den Kontrast hat er in der Nachbearbeitung angepasst. „Als der Haubentaucher seine Flügel hob“, sagt er, „wurde es richtig dramatisch.“

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1. Auf dem Boden hockend entdeckt Samuel einen Kormoran ohne jegliche Ablenkung im Hintergrund. 2. Bei 600 mm mit f/13, ISO 3600, einer Belichtungszeit von 1/640 s und einem Belichtungswert von 0. 3. Bei 180 mm mit +3,33 Belichtungswert, um den Baum zu isolieren. 4. Bei 600 mm mit +3,33 Belichtungswert öffnet der Kormoran seine Flügel. ©Samuel Houcken

Experimente mit High-Key-Minimalismus

Weiches, diffuses Licht und ein klarer Hintergrund sind perfekte Bedingungen für die High-Key-Fotografie. Bei diesem Stilmittel wird das Bild auf das Motiv reduziert, oft mit einem weißen Hintergrund. Als Samuel einen Kormoran entdeckte, stellte er die Kamera auf Zeitautomatik und schloss die Blende auf f/13, um die Schärfe in der Ferne zu behalten, während die Kamera eine Belichtungszeit von 1/640 s wählte. „Ich habe ISO-Automatik eingestellt, damit ich mich auf den Belichtungswert konzentrieren konnte“, erklärt er. Durch das Einstellen des Belichtungswerts auf +1, +2 und dann +3,33 wurde der bewölkte Himmel weiß, sodass es keine Ablenkung mehr gab. „High Key reduziert das Bild auf Verhalten und Form“, sagt er und erzählt, dass er gewartet hat, bis der Kormoran sich ausgestreckte, um seine Flügel zu trocknen, um die volle Wirkung zu erzielen. „Der Hintergrund wird weiß – und das ist der Trick bei High Key“.

Z5II + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 600 mm, 1/640 s, f/6.3, ISO 900, +0,33 Belichtungswert ©Samuel Houcken

Aufmerksam sein und die Zeitautomatik optimal nutzen

Auf der Fahrt fiel Samuel ein großer Sonnenblumenstreifen am Straßenrand auf. Er stieg schnell, aber leise aus dem Auto und entdeckte einen Stieglitz, der an den Körnern pickte. Samuel blieb auf Distanz und arbeitete mit der Zeitautomatik, wobei er f/6.3 einstellte, um den Hintergrund unscharf zu bekommen. Die Kamera wählte eine kurze Belichtungszeit von 1/640 s und eine automatische ISO-Empfindlichkeit (im Fall des endgültigen Bildes ISO 900), um sich an die wechselnden Lichtverhältnisse anzupassen. „Ich habe sofort die grüne Wiese im Hintergrund gesehen“, sagt er, „sie passt super zum leuchtend rot-gelben Gefieder des Stieglitzes. Das ist eines meiner Lieblingsfotos. Seit fünf Jahren wollte ich so ein Foto machen.“

Der Autofokus der Nikon Z5II im Test

Z5II + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 600 mm, 1/8000 s, f/6.3, ISO 7200, +0,67 Belichtungswert ©Samuel Houcken

Geschwindigkeit und Fokus bei Vögeln im Flug

Die späte Nachmittagssonne schien durch die Bäume in Samuels Garten, und das Laub im Hintergrund und f/6.3 sorgten für ein changierendes grünes Bokeh, wie ihr im Video oben sehen könnt. Im manuellen Modus stellte er die Belichtungszeit auf 1/8000 s, um die Flügelbewegung einzufrieren, und wählte f/6.3, um das Motiv hervorzuheben, während die ISO-Automatik die Belichtung steuerte. „Der Vogel befand sich im Schatten, aber der Hintergrund war hell“, erklärt er und fügt hinzu, dass er den Belichtungswert um +0,67 erhöht hat, um die Szene auszugleichen. „Ohne die Sonne hätte dieses Bild nicht so gut funktioniert.“ Der AF-C bei aktiviertem Tracking im großen Messfeld (im Vogelmodus) hat den Fokus gehalten, obwohl der Vogel ständig in Bewegung war. „Mit dieser Konfiguration kann ich sofort reagieren“, sagt Samuel und erklärt, dass er sich so auf das Timing und die Bildkomposition konzentrieren konnte, und sich nicht um die Kameraeinstellungen kümmern musste.

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Z5II + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 600 mm, 1/8000 s, f/6.3, ISO 7200, +0,67 Belichtungswert ©Samuel Houcken

Zuweisen der Autofokus-Modi auf Funktionstasten

Schnell mal einen Vogel fotografieren? Legt die exakten Autofokusmodi auf eure benutzerdefinierten Steuerelemente. „Der Autofokus der Z5II ist schnell, präzise und beeindruckend, sogar bei kleineren Vögeln“, schwärmt Samuel. „Ich nutze die Funktionstasten, um die Motivwahrnehmung und das große Messfeld (klein und groß) zu verwenden, damit ich Vögel schneller verfolgen kann. Mit einer Bildrate von 14 Bildern pro Sekunde im RAW-Format und 11 Bildern pro Sekunde im 14-Bit-RAW-Format ist sie zwar nicht so schnell wie die Profikameras Z8 oder Z6III (20 Bilder pro Sekunde) – aber sie ist perfekt für den Einstieg in die Welt der Vollformatkameras.“

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Vorteile der hohen ISO-Leistung der Z5II

„Als 24-Megapixel-Kamera kann die Z5II sehr hohe ISO-Empfindlichkeiten erreichen – sogar bis zu 64.000, und selbst bei 10.000 bis 20.000 gibt es kaum bis gar kein Rauschen“, sagt Samuel. Wozu ist das gut? „Mit einer hohen ISO-Empfindlichkeit lassen sich kurze Belichtungszeiten (wie 1/2000 bis 1/4000 s) für Flugaufnahmen von Vögeln oder kleine Blendenöffnungen (f/8 bis f/13) erzielen, wenn ihr mehr Tiefenschärfe braucht, ohne die Belichtung zu beeinträchtigen.“

Von links nach rechts: ISO: 64.000 RAW, 64.000 mit Rauschunterdrückung, 20.000 RAW, 20.000 mit Rauschunterdrückung, ©Samuel Houcken

Weiterführender Tipp: Mechanischer Verschluss für bessere Kontrolle beim Rolling-Shutter-Effekt

Bei Vögeln in Bewegung kann ein mechanischer Verschluss für natürlicher wirkende Bilder sorgen. „Mit elektronischen Verschlüssen kann der Rolling-Shutter-Effekt eintreten“, sagt Samuel. Da ein elektronischer Verschluss den Sensor Zeile für Zeile und nicht auf einmal liest, können schnelle Bewegungen, wie Flügelschläge, verzerrt oder unnatürlich aussehen. „Flügelschläge sind sehr schnell“, fügt er hinzu. „Mit einem elektronischen Verschluss können die Flügel verbogen oder gestreckt aussehen.“

Die mechanische Verschluss belichtet den ganzen Bildausschnitt gleichzeitig. So bleiben die natürlichen Flügelformen und realistischen Bewegungen erhalten. „Ich finde, der mechanische Verschluss liefert ein ehrlicheres Bild“, sagt er. „Die Bewegung sieht echt aus, vor allem wenn der Vogel nah ist oder durch den Bildausschnitt fliegt.“

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Rolling-Shutter-Effekt. Z5II + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 600 mm, 1/1000 s, f/6.3, ISO 3200, ©Samuel Houcken

Fünf Tipps, um das Beste aus der Z5II herauszuholen
  • Der Bildstabilisator. Scharfe Aufnahmen gelingen mit einem 600-mm-Objektiv sogar bei einer Belichtungszeit von 1/60 s aus der Hand.
  • Der elektronische Sucher. „Die Farben sind großartig – sich hinsetzen und den elektronischen Sucher zu verwenden, fühlt sich total natürlich an“, sagt Samuel. „Was ihr seht, ist schon ziemlich nah am endgültigen Bild.“
  • Von unten fotografieren. Das leichte Gehäuse und der gute Griff sind perfekt, um den neig- und drehbaren Monitor für niedrige Winkel zu verwenden.
  • Weniger Display an, um Energie zu sparen. Dadurch konnte Samuel mehr als 1.000 Fotos mit einem vollen Akku erzielen.
  • Experimentieren mit Video. Die Z5II ist die erste Nikon Z-Kamera, die N-RAW-Aufnahmen direkt auf eine SD-Speicherkarte aufzeichnet und 4K/30p im Vollformat, 4K/60p im beschnittenen Modus und superflüssige Zeitlupenaufnahmen mit 120p in Full HD aufnimmt.

Die 4K-50p-Zeitlupe der Z5II in Aktion

Hier könnt ihr Samuels Abenteuern folgen.

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