Musik live fotografieren: Kameraeinstellungen und Tipps

Scarlet Page5 Minuten Lesezeit17 Apr. 2026Unterhaltungsangebot
Nikon magazine - live music photography

Begleitet zehn glückliche Nikon-Gewinner:innen, die die Gelegenheit hatten, die britische Band „Only The Poets“ zu fotografieren – und dabei von der Musikfotografielegende und Nikon-Ambassadorin Scarlet Page zu lernen. Hier spricht sie über Tipps, Tricks und den Einstieg in die Branche …

„Zugang und Chancen sind entscheidend, um in der Branche Fuß zu fassen, daher kann es überwältigend sein, den richtigen Einstieg zu finden“, sagt Nikon-Ambassadorin und Fotografielegende Scarlet Page. Da sie seit Jahrzehnten Live-Musik fotografiert, war sie die perfekte Wahl, um zehn Gewinner:innen des Nikon-Wettbewerbs zu betreuen, die die Chance gewonnen hatten, Only The Poets bei ihrem jüngsten Konzert in der O2 Academy Brixton in London zu fotografieren.

Der Wettbewerb, für den sich in der einwöchigen Teilnahmefrist mehr als 1.600 Teilnehmer:innen bewarben, bot zudem die Möglichkeit, professionelle spiegellose Nikon-Kameras selbst auszuprobieren. „Stundenlanges Fotografieren in der Brixton Academy mit Z 8-Kameras macht man nicht jeden Tag“, sagt Scarlet. „Es war großartig, zu sehen, wie sich alle Gewinner:innen voll und ganz eingebracht haben, und manche haben sich sogar besonders ins Zeug gelegt, um das Beste aus dem Tag herauszuholen.“

Die Gewinner:innen waren aus aller Welt angereist, um den Soundcheck und das Konzert selbst zu fotografieren. Laut Scarlet war es eine „große Herausforderung“, aber auch eine „unglaubliche Erfahrung“, zehn Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten gleichzeitig zu betreuen. „Der Soundcheck bot allen die Möglichkeit, zu experimentieren, herumzuspielen und sich gründlich mit den Nikon-Kameras vertraut zu machen“, sagt sie. „Doch als die Band die Bühne betrat, änderte sich die Stimmung schlagartig. Der Raum erwachte zum Leben, und man spürte, wie aufregend es für die Fotograf:innen war, diesen Moment festzuhalten.“

„Alle haben sich voll ins Zeug gelegt, und ich bin fest davon überzeugt, dass jeder etwas Wertvolles gelernt hat. Es war eine außergewöhnliche Gelegenheit, sich zu beweisen, Erfahrungen auszutauschen und der nächsten Generation von Fotograf:innen dabei zu helfen, sich mit überzeugenden Portfoliobildern und Selbstvertrauen in der Praxis zu etablieren.“

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Nikon-Ambassadorin Scarlet Page betreut die Gewinner:innen. © Nikon

Nicht unter den glücklichen Zehn gewesen? Keine Sorge, denn wir haben Scarlet gebeten, ihre Mentoring-Masterclass hier mit uns zu teilen …

Welche Kameraeinstellungen wählst du normalerweise für Aufnahmen in Innenräumen?

In einem eher dunklen Innenraum beginne ich oft mit einem ISO-Wert von etwa 1600. Die Z 8 kommt hervorragend mit schwachen Lichtverhältnissen zurecht, daher habe ich kein Problem damit, bei Bedarf auf ISO 3200 oder höher zu gehen. Normalerweise fotografiere ich in der Blendenautomatik und halte die Verschlusszeit bei höchstens etwa 1/250 s, um Bewegungen einzufrieren. Wenn die Bühne stark von hinten beleuchtet ist, stelle ich die Belichtungskorrektur auf plus ein Drittel bis plus eine Blendenstufe ein. Wenn ich weiß, dass schnelle Bewegungen bevorstehen, schalte ich auf den Serienbildmodus um. Ich nutze den 3D-Tracking-Autofokus, der mir stets gute Dienste leistet. Er ist vielleicht nicht etwas für alle, aber ich weiß, wie ich ihn bei Bedarf schnell überlisten kann. Im Vergleich zu den Zeiten der manuellen Fokussierung ist er echt revolutionär.

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Objektive mit einer Lichtstärke von f/2.8 bieten Flexibilität bei schwachen Lichtverhältnissen. © Nikon

Wie passt du deine Technik an, wenn sich das Licht verändert?

Ich behalte das Kameradisplay im Auge und passe die Einstellungen instinktiv an. Wenn das Licht plötzlich sehr stimmungsvoll und schwach wird, erhöhe ich sofort die ISO. Wenn die Lichter zu grell werden, nutze ich die Belichtungskorrektur. Meine Objektive haben eine Lichtstärke von f/2.8, was bei schwachen Lichtverhältnissen enorm hilft und mir mehr Flexibilität gibt.

Wie sieht es mit Auftritten im Freien tagsüber aus?

Auf Sommerfestivals wie Glastonbury kann man tagsüber problemlos mit ISO 200 bis 800 arbeiten und den Wert erhöhen, wenn der Abend hereinbricht. Mein grundlegender Ansatz bleibt derselbe. Der einzige wirkliche Unterschied besteht darin, bei grellem Tageslicht vorsichtig zu sein, besonders wenn man vor dunklen Hintergründen fotografiert. In solchen Fällen belichte ich mithilfe der Belichtungskorrektur möglicherweise etwas unter, um die Spitzlichter zu schützen.

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Die Gewinner:innen des Wettbewerbs hielten sowohl den Soundcheck als auch den Auftritt selbst fest und nahmen für jeden Musik-Act drei Songs im Bühnengraben auf. © Scarlet Page

Schwache Lichtverhältnisse können für Neulinge eine Herausforderung sein. Welchen Rat hast du für die Arbeit unter solchen Bedingungen?

Ich benutze selten den Blitz. Ich weiß, wie weit ich meine Kameras ausreizen kann, bevor Bildrauschen zum Problem wird. Ich habe bei Bedarf schon mit ISO 12.000 gearbeitet, und das Ergebnis war immer noch sehr brauchbar. Manchmal ist das einfach nötig, um das Foto zu machen. Größere Künstler:innen verfügen in der Regel über eine gute Beleuchtung. Kleinere Veranstaltungsorte ohne Lichttechniker bieten mehr kreativen Spielraum, stellen aber auch eine größere Herausforderung dar.

Worauf sollten Fotograf:innen bei ihrem ersten Auftrag besonders achten?

Atmosphäre und Storytelling gehen vor technischer Perfektion. Einige der eindrucksvollsten Live-Aufnahmen leben von ihrer Stimmung. Stellt euch vor, ihr würdet eine Reportage fotografieren. Haltet das Geschehen hinter den Kulissen, das Publikum, Details, Weitwinkelaufnahmen und Nahaufnahmen fest. Zeigt die ganze Geschichte.

Wie wichtig ist Antizipation?

Essenziell. Ihr müsst die Musik spüren. Achtet auf Hinweise. Ein Spannungsaufbau im Lied, eine Person auf der Bühne, die vor einem Sprung einen Schritt zurücktritt, ein Blickwechsel zwischen den Bandmitgliedern. Lauft im Bühnengraben nicht ständig hin und her. Lasst die Action zu euch kommen. Fotografiert alle Bandmitglieder und haltet sowohl die ungezwungenen, menschlichen Momente als auch die kraftvollen Moves fest.

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Scarlet Page geht vor dem Auftritt noch einmal alles durch. © Nikon

Wie können Einsteiger:innen Zugang zum Bühnengraben bekommen?

Zeigt echte Begeisterung. Wendet euch an lokale Medien, Veranstaltungsorte, PR-Agenturen und Manager:innen. Wer nicht fragt, bekommt nichts. Aber seid vorsichtig mit Verträgen. Gebt eure Arbeit nicht einfach so her. Wenn eine Band eure Bilder verwenden möchte, zeigt schon eine kleine Vergütung, dass sie einen Wert haben. Und wenn ihr nicht in den Bühnengraben kommt, steht den ganzen Tag an, um einen guten Platz in der Menge zu ergattern. Die richtige Position und euer Engagement machen einen großen Unterschied!

Wie können angehende Profis in die Branche einsteigen?

Fotografiert regelmäßig. Knüpft Kontakte zu aufstrebenden Bands. Wenn ihr sie während des Soundchecks fotografiert und sowohl ausdrucksstarke Porträts als auch Live-Aufnahmen macht, werdet ihr euch von der Masse abheben.

Was ist die wichtigste Lektion, von der du gerne gewusst hättest, als du angefangen hast?

Ich wünschte, ich hätte jede Show ordentlich protokolliert: Daten, Veranstaltungsorte, Details. Ich habe 1994 angefangen, und manchmal macht es mich wahnsinnig, wenn ich versuche, mich an Einzelheiten zu erinnern. Organisation ist entscheidend. Verseht alles mit passenden Bildunterschriften und Schlüsselwörtern. Ihr werdet euch selbst später dankbar sein.

Scarlet Page betreute angehende Musikfotograf:innen bei einem Konzert von „Only The Poets“ in London. Mitte: Nikon Z 8 + NIKKOR Z 70-200mm f/2.8 VR S, 43 mm, 1/320 s, f/2.8, ISO 3200. Rechts: 88 mm, 1/200 s, f/2.8, ISO 1600 © Scarlet Page/Nikon

Scarlets sieben schnelle Tipps für den Erfolg

  • Lernt eure Kamera kennen. Ihr müsst sie so gut kennen, dass ihr die Einstellungen instinktiv ändert. Wenn ihr wisst, wie man ISO-Wert und Verschlusszeit aufeinander abstimmt, könnt ihr schnell reagieren.
  • Priorisiert die Verschlusszeit, um Unschärfe zu vermeiden. Fotografiert mit der Blendenautomatik, um Schärfe zu gewährleisten und Kamera-Verwacklungen zu vermeiden – besonders bei einem langen Gig, wenn ihr langsam müde werdet.
  • Verwendet lichtstarke Objektive. Idealerweise f/2.8 oder mehr bei schwachen Lichtverhältnissen. Ich habe immer ein 24–70-mm-Objektiv und ein 70–200-mm-Objektiv dabei. Mit diesen beiden Optionen seid ihr für fast jedes Szenario gerüstet.
  • Arbeitet, wenn möglich, mit zwei Kameras. So müsst ihr nicht ständig die Objektive wechseln.
  • Achtet auf euren Körper. Ich benutze ein Hüft-Holster, das meine Schultern an langen Tagen entlastet.
  • Verwendet 3D-Tracking. Früher habe ich immer wahnsinnig viele Fotos gemacht, um sicherzugehen, dass auch scharfe mit dabei sind. Der Fokus ist mittlerweile so zuverlässig, dass es meine Arbeitsweise komplett verändert hat.
  • Fotografiert immer im RAW-Format. Damit habt ihr in der Nachbearbeitung die volle Kontrolle. Ich mache mir zum Beispiel keine Gedanken über den Weißabgleich in der Kamera, da ich diesen lieber nachträglich anpasse.

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