Bokeh für Anfänger

Das Geheimnis des Bokehs Was Bokeh ist, wie ihr es erzeugt und kreativ einsetzt
Wenn ihr noch nicht lange fotografiert, begegnet euch der Begriff „Bokeh“ vermutlich häufiger. Lest weiter, um zu erfahren, was das ist, wie ihr es hinbekommt und wie ihr es in euren Aufnahmen kreativ einsetzen könnt.
Was ist Bokeh?
Bokeh bezeichnet die ästhetische Qualität der Unschärfe in den unscharfen Bereichen eines Fotos oder Videos. Gutes Bokeh ist dabei mehr als nur Hintergrundunschärfe: Es zeichnet sich durch weiche, harmonische Übergänge zwischen Licht und Schatten aus.
Der Begriff stammt vom japanischen Wort boke, was „Unschärfe“ oder „Dunst“ bedeutet, beziehungsweise von boke-aji, was „Qualität der Unschärfe“ bedeutet. In der Fotografie beschreibt der Begriff nicht nur die allgemeine Hintergrundunschärfe eines Objektivs, sondern auch die Darstellung unscharfer Lichtpunkte. Diese erscheinen häufig als weiche Kreise oder Formen im Hintergrund.
Wichtig ist dabei: Nicht jede Unschärfe gilt automatisch als gutes Bokeh. Harte oder störende Unschärfen können die Bildwirkung beeinträchtigen, während weiches, harmonisch dargestelltes Bokeh das Motiv hervorhebt und dem Bild mehr Tiefe verleiht.
So gelingt Bokeh in Foto und Video
Für schönes Bokeh kommt es auf das Zusammenspiel von Kameraeinstellungen, Objektivwahl und Bildausschnitt an.
1. Mit offener Blende fotografieren
Der wichtigste Faktor ist die Blende. Eine offene Blende (also ein kleiner Blendenwert wie f/1.2, f/1.4, f/1.8, f/2 oder f/2.8) sorgt für eine geringe Tiefenschärfe und hilft dabei, den Hintergrund weich verschwimmen zu lassen.
- Kleiner Blendenwert = stärkere Unschärfe
- Hoher Blendenwert = geringere Unschärfe
Wenn euer Objektiv dies zulässt, fotografiert möglichst mit Offenblende.
2. Das richtige Objektiv
Festbrennweitenobjektive eignen sich in der Regel besser für Bokeh als Standard-Zoomobjektive, da sie häufig größere Blendenöffnungen bieten. Auch längere Brennweiten (z. B. 85 mm, 100 mm oder 200 mm) verstärken den Bokeh-Effekt, da sie Vorder- und Hintergrund optisch näher zusammenrücken lassen.
Je weiter die Bäume im Hintergrund vom Motiv entfernt sind, desto unschärfer erscheinen sie. Nikon Z 8 + NIKKOR Z 70-200mm f/2.8 VR S, 71 mm, 1/40 s, ISO 100
3. Größerer Abstand zwischen Motiv und Hintergrund
Je weiter euer Motiv vom Hintergrund entfernt ist, desto unschärfer erscheint er.
Zum Beispiel:
- Platziert euer Motiv mehrere Meter entfernt von Bäumen, Lichtquellen oder Gebäuden.
- Achtet darauf, dass sich der Hintergrund nicht zu nah hinter eurem Motiv befindet.
4. Geht näher an euer Motiv heran
Je geringer der Abstand zwischen Kamera und Motiv ist, desto stärker fällt die Hintergrundunschärfe aus. Dies ist besonders in der Porträtfotografie sehr effektiv.
Eine einfache Lichterkette verwandelt sich unscharf im Hintergrund in stimmungsvolle Bokeh-Kreise und sorgt für eine festliche Atmosphäre. Nikon Z50II + NIKKOR Z DX 24mm f/1.7, 1/40 s, ISO 100 © Junior Roberts
5. Lichtquellen im Hintergrund
Bokeh wirkt besonders reizvoll, wenn sich im Hintergrund Lichtquellen befinden, wie zum Beispiel:
- Lichterketten,
- Straßenlaternen,
- durch Blätter hindurchscheinendes Sonnenlicht.
Diese Lichtpunkte verwandeln sich in sanfte, leuchtende Kreise, wenn sie unscharf sind. Sogar reines Bokeh kann selbst zum abstrakten Bild werden – ganz ohne scharfes Motiv im Bild. Eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Erstellen von Bokeh-Kreisen findet ihr hier.
Dieses Weizenfeld erzeugt sowohl Vordergrund- als auch Hintergrundbokeh und lenkt den Blick gezielt auf das Motiv. © Christian Amman

Kreative Möglichkeiten, Bokeh einzusetzen
Sobald die Grundlagen sitzen, lässt sich Bokeh gezielt einsetzen, um Bilder wirkungsvoll zu gestalten.
Porträtfotografie
Bokeh wird häufig bei Porträtaufnahmen eingesetzt, um das Motiv vom Hintergrund abzuheben. Ein weich verschwommener Hintergrund lenkt den Blick auf die Person und verleiht dem Bild einen professionellen, eleganten Look.
Tipp: Für einen natürlichen Bokeh-Effekt eignet sich ein Motiv vor weit entfernten Lichtquellen oder Blattwerk besonders gut.
Regentropfen an einer Fensterscheibe mit unscharfen Stadtlichtern im Hintergrund erzeugen eine stimmungsvolle Komposition. Nikon Z50II + NIKKOR Z DX MC 35mm f/1.7, 1/250 s, f/2, ISO 400 © Antonia Thomsen

Nachtaufnahmen
Nachts sorgen künstliche Lichtquellen für einen dramatischen Bokeh-Effekt. Straßenszenen, Verkehr und Stadtansichten können von diesem Effekt profitieren. Versucht, ein Motiv in der Nähe scharfzustellen, während ihr die Lichter in der Ferne zu bunten Lichtkreisen verschwimmen lasst.

Natur- und Makrofotografie
In der Naturfotografie kann Bokeh Blumen, Insekten oder Blätter wunderschön zur Geltung bringen. Tautropfen, Sonnenlicht und Spiegelungen auf Wasser können eindrucksvolle Lichtreflexe im Hintergrund erzeugen, wenn sie außerhalb des Fokus liegen.
Bokeh im Vordergrund
Bokeh muss nicht auf den Hintergrund beschränkt sein. Ihr könnt auch Objekte nahe am Objektiv platzieren, um eine Unschärfe im Vordergrund zu erzeugen, was der Aufnahme mehr Tiefe verleiht.
Storytelling und Stimmung
Bokeh kann die emotionale Stimmung eines Bildes beeinflussen. Ein weiches, warmes Bokeh kann romantisch oder verträumt wirken, während ein helles und farbenfrohes Bokeh lebendig und energiegeladen wirkt. Bokeh eignet sich im Übrigen nicht nur für Fotos: Auch im Videobereich ist es ein äußerst wirkungsvolles Gestaltungsmittel, das gezielt eingesetzt werden kann, um Bildwirkung und visuelle Erzählung zu unterstützen.
Häufige Fehler, die es zu vermeiden gilt
- Übermäßiger Einsatz von Unschärfe: Zu viel Bokeh kann dazu führen, dass Bilder unnatürlich wirken oder vom Motiv ablenken.
- Schlechter Fokus: Wichtig ist, dass das Motiv präzise scharfgestellt bleibt – Bokeh sollte das Bild unterstützen und nicht Fehler kaschieren.
- Unruhige Hintergründe: Selbst unscharfe Hintergründe können ablenkend wirken, wenn sie zu unruhig sind.
Ein vielseitiges Gestaltungsmittel
Richtig eingesetzt verleiht Bokeh euren Bildern und eurem Filmmaterial Tiefe und Ausdruckskraft. Wenn ihr versteht, wie Blende, Abstand und Licht zusammenwirken, könnt ihr eine schöne Hintergrundunschärfe erzeugen und damit die Wirkung eurer Bilder verstärken. Experimentiert mit verschiedenen Objektiven, Lichtverhältnissen und Bildausschnitten. Ihr werdet schnell feststellen, wie stark Bokeh euren Stil prägen kann.
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