Nikon Imaging | Deutschland | Europa

Nina Berman

Fotojournalismus

Ich hoffe, etwas über Gesellschaften auszudrücken, deren Reichtum eine solche Verschwendung von Lebensmitteln erlaubt. Und darüber, was es bedeutet, übermäßig zu konsumieren – nicht nur Nahrung, sondern auch andere Konsumgüter. Schließlich wird der Konsum in unserer Kultur propagiert, tut uns aber nicht immer gut.

Beeindruckende Stories

Wenn Essen zum Wettstreit wird

Wettessen sind ein vorwiegend US-amerikanisches Phänomen. Die Wettbewerbe dauern in der Regel zwei bis zehn Minuten. Die Teilnehmer konkurrieren darum, sich mit riesigen Mengen Essen vollschlagen – für Bargeld oder andere Preise. Wettessen sind aus den traditionellen Tortenwettessen auf Jahrmärkten hervorgegangen und wurden landesweit durch ein Hotdog-Wettessen am 4. Juli auf Coney Island populär, das seit den 1970er Jahren jährlich veranstaltet wird. Nina Berman erkundet die amerikanische Subkultur des Wettessens in einer Welt des übermäßigen Konsums.




F: Was hat Sie an Wettessen fasziniert?

Vor Jahren habe ich den legendären »Nathan's Hot Dog Eating Contest« fotografiert, der an jedem 4. Juli auf Coney Island, New York, stattfindet. Ich fand das lustig und zugleich etwas abstoßend. Deshalb dachte ich, dass möglicherweise mehr an dieser speziellen Subkultur des Wettessens zu entdecken sei.

F: Was mussten Sie bei der Planung des Shootings beachten und wie lange waren Sie unterwegs?

Ich recherchierte bei verschiedenen Wettbewerben und suchte nach einer guten Mischung aus professionellen Wettessern und Amateuren, um die unterschiedliche Atmosphäre einfangen zu können. Mir wurde außerdem bewusst, dass ich die Farbe des betreffenden Lebensmittels in Betracht ziehen musste, weil ich Nahaufnahmen machen und nicht auf jedem Bild dieselbe Farbe oder Textur einfangen wollte. Ich war an mehreren Orten in der Region New York und an einem Ort in Florida. Das hat – mit Unterbrechungen – einige Monate gedauert.

F: Wie haben Sie die Wettbewerbe für die Shootings ausgewählt?

Ich habe die Veranstaltungen nach dem Lebensmittel ausgewählt, das Gegenstand des Wettessens war. Außerdem musste ich nahe genug an die Action kommen können, um einen Bildausschnitt bei Verwendung des 180-mm-Objektivs mit einem Gesicht zu füllen. Für die externen Blitzgeräte habe ich außerdem einen Beleuchtungsassistenten eingesetzt.

F: Was war für Sie die größte Herausforderung bei diesem Projekt?

Nicht so sehr zu lachen, dass ich den Auslöser nicht mehr drücken konnte. Und die Kürze des Wettbewerbs – nach wenigen Minuten ist alles vorbei.

F: Was war die größte Überraschung bei diesem Shooting?

Ich habe zwar alles Mögliche antizipiert, musste aber schon beim ersten Shooting feststellen, dass die Bilder sehr symbolbeladen und auf eine Weise emotional werden konnten, die ich mir nicht vorgestellt hatte. Wenn sich jemand zwischen den Bissen reckt, um nach Luft zu schnappen, mit einem Ausdruck, der gleichermaßen Ersticken und Verlangen verkörpert – irgendwie ein Abbild unserer Kultur. Außerdem hatte ich mir nicht klar gemacht, dass hier echte Wettkämpfer antreten – mit den entsprechenden Motiven bei Siegen und bei Niederlagen.

F: Gibt es ein bestimmtes Bild, das für Sie ganz besonders ist?

Ich mag die Frau mit dem Blaubeerkuchen sehr. Auf dem Bild wirkt es, als habe sie eine religiöse Erleuchtung. Ich liebe es, wenn die Bilder etwas herausstellen, dass ich mir nicht vorgestellt und im Moment der Aufnahme möglicherweise gar nicht gesehen habe. Das ist schließlich das Magische an der Fotografie, nicht wahr?

F: Was wollten Sie mit diesem Projekt verdeutlichen?

Dass wir bis zum Ersticken konsumieren und dies aus irgendeinem Grund auch noch für unterhaltsam halten.

F: Welche Kamera und welche Objektive haben Sie verwendet? Warum?

Ich habe mit der D800E fotografiert, damals meine wichtigste Kamera. Sie bot für mich die optimale Dateigröße und Qualität. Ich habe das ältere 180-mm-Objektiv mit manueller Fokussierung verwendet, weil ich kein Zoomobjektiv mit 70 – 200 mm hatte und ein Teleobjektiv brauchte. Außerdem habe ich dieses Objektiv geliebt, als ich in den alten Zeiten der analogen Fotografie aufnahm.

F: Welche Gefühle möchten Sie den Betrachtern dieser Bilder vermitteln?

Faszination, Attraktion, Reflexion und auch ein bisschen Widerwillen.

F: Möchten Sie den Betrachtern dieser Story eine bestimmte Idee oder Aufforderung mitgeben?

Sicher keine Aufforderung in dem Sinne, an Wettessen teilzunehmen oder diese zu boykottieren! Tatsächlich hoffe ich, etwas über Gesellschaften auszudrücken, deren Reichtum eine solche Verschwendung von Lebensmitteln erlaubt. Und darüber, was es bedeutet, übermäßig zu konsumieren – nicht nur Nahrung, sondern auch andere Konsumgüter. Schließlich wird der Konsum in unserer Kultur propagiert, tut uns aber nicht immer gut.

F: Welchen Rat würden Sie einem aufstrebenden Fotojournalisten geben, der sich an ein ähnliches Projekt wagt?

Zunächst viel Spaß. Und Erfolg bei der Suche nach einer eigenen visuellen Herangehensweise.

F: Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch einmal Gelegenheit erhielten, Motive dieser Art zu fotografieren?

Im Nachhinein hätte ich gerne einige Zeitlupenfilme aufgenommen.



Weitere Nikon-Ambassadors