Wie Fußballbilder auf höchstem Niveau entstehen

Von Toren im Bruchteil einer Sekunde bis zum Pokaljubel: Drei Fotoprofis verraten, was nötig ist, um Fußballgeschichte festzuhalten – in dem Moment, in dem sie passiert.
Die größte Bühne des Fußballs: Hier wird Geschichte geschrieben, hier werden Legenden geboren und hier entstehen für die Sieger und ihre Fans Träume. Und genau wie die Fußballer auf dem Spielfeld sind auch die Spitzenfotograf:innen rund um den Rasen in Bestform, denn auch hier gibt es keine zweite Chance. Wir sprechen mit drei führenden Sportfotograf:innen, um herauszufinden, was es genau braucht, um die Geschichte des Fußballs hinter der Linse zu erzählen, während sie jeweils auf drei ihrer unvergesslichsten Aufnahmen zurückblicken.
Lionel Messi jubelt nach dem dramatischen Sieg Argentiniens über Frankreich im Finale der Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Nikon D 5 + AF-S NIKKOR 24-70mm f/2.8E ED VR, 24 mm, 1/3200, f/2.8, ISO 2000 ©David Ramos – FIFA/FIFA via Getty Images

David Ramos
Der mehrfach preisgekrönte Fotograf David Ramos hat als Teil des Getty-Images-Teams, das Bildmaterial für den Fußballweltverband produziert. Er berichtet weltweit über wichtige Nachrichten und Sportereignisse, darunter in Brasilien (2014), Russland (2018) und Katar (2022).
„Das größte Fußballereignis der Welt zu fotografieren, ist eine der einzigartigsten Erfahrungen, die man als Sportfotograf machen kann“, sagt er. „Es ist der Moment, in dem die Welt des Sports an einem Ort zusammenkommt. Für Fotograf:innen ist das unglaublich anspruchsvoll, aber auch etwas ganz Besonderes. Man berichtet nicht nur über das Geschehen, sondern versucht auch, die Atmosphäre, die Emotionen, die Spannung und die Bedeutung des Turniers einzufangen.“
„Die Geschichte hinter diesem Bild ist etwas ganz Besonderes, denn zu diesem Zeitpunkt, fast eine Stunde nachdem die offizielle Siegerehrung stattgefunden hatte, war die Feier noch immer in vollem Gange. Messi stand in der Mitte des Spielfelds, umringt von Teamkollegen, Freunden und Familie. Plötzlich hob ihn Kun Agüero hoch und trug ihn mit dem Pokal in der Hand und mit Stücken des Tornetzes bedeckt nah an die Menge heran. Es war chaotisch und emotional, aber gleichzeitig wirkt es sehr persönlich und historisch. Es ist nicht nur Messi mit dem Pokal. Es ist Messi mitten in den Emotionen des Augenblicks. Man spürt die Freude, den Lärm, die Menschen, die sich um ihn drängen, das Lächeln. Man hat das Gefühl, mitten in der Geschichte zu sein.“
„Fotografisch gesehen gefällt es mir, weil es nicht auf klassische Weise perfekt ist, sondern Energie ausstrahlt. Das Bild ist überladen, aber genau das macht es aus. Durch die Weitwinkelaufnahme wird man beim Betrachten in die Feier hineingezogen, fast so, als wäre man Teil der Gruppe. Messi steht im Mittelpunkt, der Pokal ist gut zu sehen, und alles um ihn herum verdeutlicht das Ausmaß und die Emotionen dieses Augenblicks. In einer solchen Situation muss man schnell reagieren, ein Weitwinkelobjektiv verwenden, nah dran bleiben und mit einer ausreichend kurzen Verschlusszeit arbeiten, um die Bewegung einzufrieren. Diese Momente sind unvorhersehbar, und man hat kaum Kontrolle über die Bildkomposition. Das Wichtigste ist, weiter zu fotografieren, in Bewegung zu bleiben und inmitten des Chaos die Ruhe zu bewahren.“
Olivier Giroud jubelt, nachdem er im Achtelfinalspiel der WM 2022 in Katar das erste Tor für Frankreich gegen Polen erzielt hat. Nikon D 6 + AF-S NIKKOR 180-400mm f/4E TC1.4 FL ED VR, 290 mm, 1/1600 s, f/4, ISO 3200 ©Foto: David Ramos – FIFA/FIFA via Getty Images

„Dieses Bild von Katar 2022 gehört zu meinen Favoriten, weil es sehr klar und grafisch ist“, sagt David. „Die Vogelperspektive verwandelt das Spielfeld in einen schlichten grünen Hintergrund – fast wie eine Leinwand. Girouds Körperform verleiht dem Bild seine Kraft. Es gibt keine Ablenkungen, keine anderen Spieler, keine Werbetafeln, kein Publikum. Nur den Spieler, den Jubel und den Raum um ihn herum. Gerade diese Schlichtheit verleiht dem Bild seine Aussagekraft.“
„Ich habe das Bild von der Laufbrücke auf dem Stadiondach aus aufgenommen – eine ganz besondere Position, die uns einen völlig anderen Blickwinkel bot als die übliche Perspektive vom Spielfeldrand aus. Ich habe mich dafür entschieden, von einer Ecke aus zu arbeiten. So konnte ich meine Chancen maximieren, einen starken Jubel festzuhalten, falls an diesem Ende des Spielfelds ein Tor fallen sollte. Von dieser erhöhten Position aus war das 180–400-mm-Objektiv ideal, da es mir ermöglichte, schnell zu reagieren und den Bildausschnitt anzupassen – während sich das Geschehen unter mir entwickelte. Die kurze Belichtungszeit fror die Bewegung des Jubels ein, und f/4 sorgte für ausreichend Tiefenschärfe, während das Bild dennoch sauber blieb.“
„Man kann die Situation planen, die Wahrscheinlichkeiten einschätzen und sich technisch vorbereiten, aber einen Moment wie diesen kann man niemals vollständig vorhersagen. Girouds Jubel war viel spektakulärer, als ich es hätte erwarten können.“
Vor dem Finale 2018 in Moskau steht die Trophäe halb versteckt in ihrer Vitrine, bewacht von Sicherheitspersonal. Nikon D 5 + AF-S NIKKOR 24–70mm f2.8E ED VR, 36 mm, 1/800 s, f/2.8, ISO 3200 ©David Ramos – FIFA/FIFA via Getty Images

„Das ist zweifellos mein Lieblingsfoto von allen weltweiten Finalen, über die ich berichtet habe“, fasst David zusammen. „Es gibt viele naheliegende Motive: die Mannschaften, das Stadion, die Fans, die Zeremonien, das Spielgeschehen. Doch manchmal verbirgt sich das stärkste Bild in einem ruhigen Raum, weit weg vom Spielfeld. In diesem Bild geht es nicht um den Fußball selbst, sondern um das Ritual, die Sicherheitsvorkehrungen und die fast schon theatralische Bedeutung des Pokals vor dem größten Spiel dieser Sportart. Dieses Bild lebt von der Neugier.“
„Was mir besonders gefällt, ist, dass die Trophäe – eines der bekanntesten Objekte der Welt – fast schon schüchtern aus dem Koffer herauszublicken scheint, während die Begleiter daneben völlig ernst dreinschauen. Diese Szene hat etwas leicht Surreales an sich. Der Bildausschnitt ist schlicht gewählt und leicht humorvoll.“
„In solchen Situationen hat man nicht viel Zeit, die Szene unter Kontrolle zu bringen. Man muss die Stimmung im Raum einschätzen, schnell den Bildausschnitt wählen und die Umgebung respektieren. Ich habe den Bildausschnitt weit genug gewählt, um den Kontext einzufangen: den Koffer, den Pokal, das Sofa, die beiden Begleiter und den schlichten Raum. Die Schlichtheit des Raums kommt dem Bild zugute. Nichts lenkt von der Besonderheit dieses Augenblicks ab. Es ist ein großartiges Beispiel dafür, wie eine einfache, seltsame oder unerwartete Szene die Atmosphäre rund um ein großes Ereignis in einem einzigen Foto vermitteln kann.“
Davids Top-Tipps:
- Geht nicht gleich nach dem Hauptereignis weg. Manchmal entstehen die besten Fotos erst nach der offiziellen Feier, wenn sich alle entspannen und die Emotionen authentischer wirken. Bleibt wachsam, bleibt in der Nähe und seid auf Unvorhergesehenes vorbereitet. In solchen Momenten sind Zugangsmöglichkeiten und Vorbereitung wichtig, aber der Instinkt spielt eine ebenso große Rolle.
- Denkt an die Wahrscheinlichkeit, nicht nur an die Ästhetik. Eine einzigartige Position ist nur dann von Nutzen, wenn man versteht, was von dort aus realistisch passieren kann. Wählt euren Blickwinkel mit einer klaren Absicht.
- Bleibt neugierig, vor allem vor und nach dem Hauptereignis. Schaut nicht nur dorthin, wo alle anderen hinschauen. Geht langsam, achtet auf die Details und vertraut eurem Instinkt, wenn euch etwas optisch interessant erscheint. Große Ereignisse bestehen aus kleinen Momenten. Und manchmal erzählen diese kleinen Momente die Geschichte besser als das offensichtliche Gesamtbild.
Ein niedergeschlagener Manuel Neuer, nachdem Titelverteidiger Deutschland 2018 eine überraschende Niederlage gegen Südkorea hinnehmen musste – und damit zum ersten Mal seit 1938 bereits in der Gruppenphase ausschied. Nikon D 5 + AF-S NIKKOR 180–400 mm f/4 TC1.4 FL ED, 460 mm, 1/8000 s, f/5.6, ISO 2500. ©dpa/Ina Fassbender

Ina Fassbender
Die deutsche Sportfotografin Ina Fassbender dokumentiert seit Jahren die deutsche Bundesliga und viele der größten internationalen Fußballturniere. Sie war bei der WM in Italien (1990), Deutschland (2006), Südafrika (2010), Russland (2018) und Katar (2022) dabei.
„Bei der Fußballfotografie hängt so viel von der Sitzposition ab“, erklärt Ina. „Bei einer Großveranstaltung mit einer Nachrichtenagentur ist alles äußerst gut organisiert. Jeder hat eine klar definierte Rolle und der gesamte Ablauf ist streng strukturiert. Das ist unglaublich wichtig, denn man wird einer Position zugewiesen und es wird erwartet, dass man sich daran hält. Beim Gruppenspiel Deutschland gegen Südkorea im Jahr 2018 hatte ich einen Platz ganz oben auf der Tribüne, was sich als unglaubliches Glück herausstellte. Zu dieser Tageszeit sorgte das Sonnenlicht im Stadion für dramatische Licht- und Schattenbereiche. Da mir schon früh klar wurde, dass Deutschland schlecht spielte, begann ich bewusst, Torhüter Manuel Neuer in auffälligen Lichtsituationen zu fotografieren, die das bevorstehende Ausscheiden der Mannschaft visuell darstellten. Das Bild wurde später vielfach ausgezeichnet und brachte mir mehrere Preise ein.“
„Damals benutzte ich das AF-S NIKKOR 180-400mm f/4 TC1.4 FL ED mit integriertem Telekonverter – was ideal war, wenn ich von einer erhöhten Position aus arbeitete. Zudem kam die Kamera mit den schwierigen Licht- und Schattenverhältnissen außergewöhnlich gut zurecht. Das half mir enorm, die richtige Belichtung zu finden. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass es sich manchmal lohnt, nach einem anderen Standpunkt zu suchen – vor allem nach einem mit interessantem Licht. Insbesondere aus erhöhter Position lassen sich wunderschöne Kontraste zwischen Licht und Schatten erzielen.“
Da sie einen Hinweis darauf erhalten hatte, dass Deutschland etwas Ungewöhnliches tun könnte, hielt Ina den eindrucksvollen Protest der Mannschaft mit verdeckten Mündern fest, noch bevor er zu einem weltweiten Nachrichtenbild wurde. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 24-120mm f/4 S, 102 mm, 1/500 s, f/4, ISO 500 ©AFP/Ina Fassbender

„Vor jedem Fußballspiel ist es wichtig, gut informiert zu sein“, sagt Ina. „Ich überlege immer, ob sich während des Spiels vielleicht eine bestimmte Geschichte entwickeln könnte, die ich visuell verfolgen möchte. Dieses Bild wurde vor dem Gruppenspiel gegen Japan im Jahr 2022 aufgenommen. Das Besondere daran ist, dass es sich technisch gesehen um ein Teamfoto handelt – etwas, das normalerweise keine große Bedeutung hätte, in diesem Fall jedoch eine sehr starke Botschaft vermittelt. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Regenbogen-Kapitänsbinde, und es gab heftige Spekulationen darüber, ob Torhüter Manuel Neuer sie tragen würde. Stattdessen posierte die deutsche Mannschaft für das Gruppenfoto mit ihren Händen vor dem Mund und brachte damit zum Ausdruck: „Wir haben dazu nichts weiter zu sagen.“
„Ich hatte im Vorfeld erfahren, dass die deutsche Mannschaft vorhatte, beim Gruppenfoto etwas Ungewöhnliches zu machen. Trotzdem war es eine Überraschung, und das Bild wurde weltweit verbreitet. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, sich vor einem Auftrag gut zu informieren.“
Jude Bellinghams spektakulärer Fallrückzieher bewahrte England im Achtelfinale der Europameisterschaft 2024 gegen die Slowakei vor dem Ausscheiden. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 70–200mm f/2.8 VR S, 195 mm, 1/1150 s, f/2.8, ISO 1250 ©AFP/Ina Fassbender

„Solche Momente ereignen sich im Bruchteil einer Sekunde, und der Autofokus muss bereits auf den richtigen Bereich eingestellt sein“, sagt Ina. „Dank dieses Fotos landete ich auf den Titelseiten in ganz England. In solchen Situationen ist die Autofokus-Technologie eine enorme Hilfe. Aber es ist auch wichtig, vorausschauend zu denken und den Spielverlauf zu verstehen – man sollte sich fragen, wie ein Tor realistisch gesehen zustande kommen könnte und was der Spieler als Nächstes versuchen könnte.“
Inas beste Tipps:
- Nehmt nach Möglichkeit drei Kameras mit: ein 400-mm-Objektiv mit einer Lichtstärke von f/2.8 für die Hauptaktion, ein 70–200-mm-Objektiv mit einer Lichtstärke von f/2.8 für den Strafraum und ein Objektiv mit kurzer Brennweite für Nahaufnahmen der Jubelszenen. Eine Kamera mit Weitwinkelobjektiv hinter dem Tor ist ebenfalls von unschätzbarem Wert.
- Bei Siegesrunden und Feierlichkeiten ist es viel praktischer, mit möglichst wenig Ausrüstung unterwegs zu sein – im Idealfall nur mit einem Weitwinkelzoom und einem längeren Telezoom, denn zu viel Ausrüstung wird schnell zum Nachteil.
- Siegerehrungen können besonders anspruchsvoll sein. Ihr müsst eure Position verlassen, in die Mitte vorstoßen und dann schnell reagieren, wenn der Jubel vor den Fans stattfindet. Früher war ich immer voller blauer Flecken, aber jetzt versuche ich vorauszusehen, wohin die Spieler als Nächstes laufen könnten. Das hilft definitiv.
Lionel Messi, umgeben von Schweizer Spielern im Jahr 2014, in einer Bildkomposition, die von Steve Powells berühmtem Maradona-Foto inspiriert ist. Nikon D4S + AF-S NIKKOR 600mm f/4, 1/3200 s, f/5.6, ISO 400 ©Matthias Hangst/Getty Images

Matthias Hangst
Heute leitet Matthias Hangst als Director of Content, Sport bei Getty Images ein Team von mehr als 40 festangestellten Fotoprofis in den Regionen EMEA und APAC. Seine Sporen hat er sich über viele Jahre am Spielfeldrand verdient, unter anderem bei den Turnieren in Korea und Japan (2002), Deutschland (2006), Brasilien (2014), Russland (2018) und Katar (2022).
„Als Fotograf beim größten internationalen Fußballturnier geht es darum, auf höchstem Niveau und auf der größten Bühne zu liefern – genau wie die Spieler in diesem Moment“, sagt Matthias. „Man darf keine Momente verpassen; man muss es richtig machen.“
„Steve Powells Foto von Maradona, umringt von belgischen Spielern im Jahr 1982, ist eines der berühmtesten Fußballbilder im Archiv von Getty Images. Genau dieses Bild hatte ich im Kopf, als ich 2014 beim Spiel Argentinien gegen die Schweiz auf die Tribüne ging. So etwas lässt sich zwar nie nachstellen, aber ich wollte Messi in der Mitte zeigen, umgeben von so vielen Spielern wie möglich, ohne dass ein anderer argentinischer Spieler im Bild zu sehen war, so dass sich alles nur um ihn drehte. Ich sage nicht, dass es geplant war, aber es gab schon vor dem Spiel eine Absicht.“
Matthias Hangsts Aufnahme von England gegen Belgien 2018 aus der Höhe. Nikon D 5 + AF-S NIKKOR 180-400mm f/4 TC1.4 FL ED 1/1600 s, f/4, ISO 1600 ©Matthias Hangst/Getty Images

„Von Zeit zu Zeit dürfen wir in bestimmten Ländern von der sogenannten Laufbrücke aus arbeiten, die sich 80 oder 100 Meter über dem Stadion befindet. Dort sind wir mit einem Klettergurt an einem Geländer gesichert und richten die Kamera senkrecht nach unten auf das Spielfeld“, erklärt Matthias. „Es ist ein einzigartiger Ort, und nur eine kleine Gruppe von Menschen darf dort hinauf. Dazu gehören ein langwieriger Genehmigungsprozess, Schulungen, Sicherheitsgurte, Helme und manchmal sogar ärztliche Atteste, da man in der Höhe arbeiten können muss. Selbst in unserem Team machen das nur wenige, denn man muss sich dabei wohlfühlen. Der Druck ist enorm. Man befindet sich über den Köpfen der Menschen, und wenn auch nur ein kleiner Gegenstand herunterfällt, könnte das möglicherweise jemanden ernsthaft verletzen. Alles, was man dort hinaufbringt, muss doppelt gesichert sein. Jede Kamera, jedes Objektiv, sogar das Handy, muss befestigt werden. Wir leeren unsere Taschen. Man darf keine Ersatzteile mitnehmen, denn sonst könnte alles herunterfallen.“
„Aber es ist eine riesige Chance. Es war das Spiel Belgien gegen England, und es kam zu einem Kopfball, an dem sechs Spieler beteiligt waren – so etwas kommt nicht oft vor und ist von oben schwer vorauszusehen. Es gefällt mir, weil es ein etwas anderes Fußballbild ist. Eine Perspektive, die man nicht jeden Tag zu sehen bekommt. Ich bin ein großer Fan des grünen Rasens und des sauberen Hintergrunds – aber es geht auch darum, was alles nötig ist, um dorthin zu gelangen. Man kann sich glücklich schätzen, wenn bei einem Kopfball sechs Spieler in die Luft springen und man trotzdem noch die Gesichter, das Geschehen, die Körpersprache, die weiße Linie und die Farben erkennen kann. Am Ende hat einfach alles gepasst.“
Hoch über dem Spielfeld hält Matthias Hangst Lionel Messi fest, wie er nach Argentiniens Sieg 2022 den Pokal durch eine Menschenmenge aus Spielern, Familienangehörigen und Fotoprofis trägt. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 70-200mm f/2.8 VR S, 85 mm, 1/1250 s, f/3.5, ISO 2000 ©Matthias Hangst/Getty Images

„Auch dieses Bild wurde während des Finales 2022 von der Laufbrücke aus aufgenommen“, sagt Matthias. „Irgendwo in diesem Bildausschnitt sieht man Lionel Messi, wie er den Pokal trägt. Außerdem sind drei unserer Fotoprofis in den dunkelblauen Westen zu sehen, darunter David Ramos. Sie durften auf den Rasen und mit ihm mitgehen, weshalb sie vor all den anderen Fotoprofis in Grün stehen. Mir war die Ehre zuteil geworden, bei einem der größten Fußballspiele der Welt auf die Laufbrücke zu gehen, als Messi den Pokal für Argentinien in die Höhe reckte. Es war eine enorme Herausforderung, sehr hoch, und es war heiß. Das Spiel ging in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen, sodass ich insgesamt mehr als vier Stunden lang mit schweren Objektiven dort oben stand, kaum etwas zu trinken hatte und keine richtige Pause machen konnte. Ich hatte ein 600-mm- und ein 400-mm-Objektiv dabei – wenn man also schon Angst hat, etwas fallen zu lassen, war das hier eine ganz andere Liga.“
„Zuerst dachte ich, das Bild sei nicht so toll, wie ich gehofft hatte, weil Messi nie wirklich aufgeschaut hat. Aber es gefällt mir immer besser. Es zeigt meine Branche, mein Business und was wir tun. Es ist vielleicht der größte Kampf um ein Bild, den ich in meiner Karriere je hatte.“
„Ich entdecke immer noch Details darin: jemanden, der von einem Stuhl fällt, jemanden, der rennt, einen anderen Fotografen in der Menge. Es ist alles dabei: Zuschauer, Spieler, Familien, Fotoprofis und Emotionen. Ich befand mich in 100 Metern Höhe, fast so, als säße ich auf dem Mond und blickte hinunter, aber es war ein großer Moment in der Fußballgeschichte. Was für eine Gelegenheit.“
Matthias’ Top-Tipps:
- Überdenkt, wie ihr etwas Vertrautes fotografiert. Man könnte meinen, Fußball müsse man auf Bodenhöhe fotografieren. Doch aus der Höhe erhält man einen klareren Hintergrund, kräftigere Schatten und grafischere Formen. Da weniger Fotograf:innen um euch herum sind, sind eure Chancen, etwas Neuartiges zu schaffen, viel größer.
- Denkt an Dinge wie Trikotfarben, Hintergründe, Licht und Kontrast. Wählt eine Position, die diese Elemente berücksichtigt. Selbst das großartigste und dynamischste Fußballfoto wird nicht besonders beeindruckend sein, wenn diese Elemente nicht zusammenkommen.
- Macht das Beste aus eurer Position. Nur weil ihr nicht am offensichtlich besten Platz seid, heißt das nicht, dass es kein Bild gibt. Es gibt immer etwas, es hängt nur von eurer Kreativität, eurer Konzentration und eurer Planung ab, es zu finden und im richtigen Moment hinzubekommen.
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