Was ist die Brennweite?

Es ist eine der wesentlichen Eigenschaften jedes Objektivs, aber was bewirkt sie und warum ist sie wichtig?
Einer der ersten Fachbegriffe, auf den man in der Fotografie stößt, ist die Brennweite. Sie wird in Millimetern angegeben und ist auf eurem NIKKOR-Objektiv aufgedruckt (z. B. 24 mm, 50 mm, 24–70 mm oder 200 mm). Aber was bedeutet das eigentlich und wie solltet ihr die passende Brennweite für eure Fotos oder Videoaufnahmen auswählen? Lasst uns das einfach aufschlüsseln.
Was ist die Brennweite?
Bei einem einfachen Objektiv aus einer Linse, die mit einem Tubus an der Kamera befestigt ist, entspricht die Brennweite dem Abstand zwischen dem Objektiv und dem Bildsensor der Kamera, bei dem ein scharfes Bild entsteht.
Bei modernen Objektiven, in deren Gehäuse zahlreiche optische Linsen das Licht umlenken, stehen die Brennweite und die physische Länge des Objektivs in keinem Zusammenhang. Das NIKKOR Z 600mm f/6.3 VR S ist beispielsweise weniger als 300 mm lang – die Hälfte der Brennweite des Objektivs.
Festbrennweitenobjektive haben eine feste Brennweite, beispielsweise 24 mm, 50 mm oder 85 mm. Zoomobjektive verfügen über einen variablen Brennweitenbereich, beispielsweise 24–70 mm oder 70–200 mm.
Der entscheidende Punkt bei der Brennweite ist, dass sie bestimmt, wie viel von einer Szene eure Kamera erfasst – und wie groß die Motive auf dem Bild erscheinen.
- Eine kurze Brennweite (z. B. 18 mm) sorgt für einen weiten Blickwinkel; so passt mehr von der Szene ins Bild
- Eine lange Brennweite (z. B. 200 mm) bedeutet ein enges Bildfeld; Motive erscheinen näher und größer
Warum die Brennweite wichtig ist
Die Brennweite beeinflusst mehrere wichtige Aspekte eures Fotos:
1. Bildwinkel
Bestimmt, wie viel von einer Szene sichtbar ist.
- Weitwinkelobjektive erfassen mehr von der Umgebung
- Teleobjektive konzentrieren den Blick auf einen kleineren Bildausschnitt
2. Größe des Motivs
Eine größere Brennweite lässt entfernte Objekte näher erscheinen. Natur- und Sportfotograf:innen verwenden Teleobjektive, weil sie oft weit vom Motiv entfernt sind.
Da der Bildwinkel und die Größe des Motivs miteinander zusammenhängen, nimmt die Vergrößerung zu, wenn der Bildwinkel abnimmt. (Schaut euch unseren Spickzettel zur Brennweite an, um euch das anschaulich zu machen.)
Der kreative Einsatz von Perspektive und Komprimierung kann eure Bilder und Filmaufnahmen interessanter machen. Z 9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR. Links: 280 mm, f/13, 1/250 s, ISO 2000. Mitte: 230 mm, f/32, 1/160 s, ISO 4000. Rechts: 180 mm, f/13, 1/320 s, ISO 1600. © Nicolas Jægergård.
3. Perspektive und räumliche Wirkung
Die Brennweite beeinflusst, wie Objekte in eurem Bild vom Vordergrund bis zum Hintergrund zueinander stehen.
- Weitwinkelobjektive verzerren die Entfernung (die Objekte wirken weiter voneinander entfernt)
- Teleobjektive lassen Entfernungen kürzer erscheinen (Objekte rücken scheinbar näher zusammen)
Perspektive und Komprimierung lassen sich bewusst und kreativ einsetzen – je nachdem, was ihr mit euren Bildern oder Aufnahmen erreichen möchtet. Beispielsweise weisen Gesichter, die mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen wurden, Verzerrungen in den Gesichtszügen auf. Eine mit einem Teleobjektiv aufgenommene Landschaft kann Vordergrund und Hintergrund näher zusammenbringen.
Die Brennweite beeinflusst auch die Intensität des Bokehs. Von links nach rechts: f/2.8, f/6.3, f/13, f/22. Z 6II + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 bei 70 mm Brennweite

4. Tiefenschärfe
Während die Blende (oder Blendenwert) eines Objektivs den größten Einfluss auf die Tiefenschärfe hat, beeinflusst die Brennweite die Unschärfe des Hintergrunds:
- Längere Brennweiten sorgen in der Regel für eine stärkere Unschärfe im Hintergrund (Bokeh)
- Weitwinkelobjektive halten einen größeren Teil der Szene scharf
Bei einer Kamera mit Crop-Sensor oder bei Nikon mit DX-Sensor wirkt die Brennweite 1,5-mal größer als bei einem Vollformat-FX-Sensor.

5. Brennweite und Beschnittfaktor
Die Brennweite wird bei Objektiven für Kameras mit Crop-Sensor etwas anders umgerechnet, bei Nikon: DX-Kameras (wie beispielsweise Nikon Z 30, Z fc oder Z50II). Der Sensor dieser Kameras ist um den Faktor 1,5 kleiner als ein Vollformat-Sensor (Kleinbild, FX). Wenn man zum Beispiel ein 50-mm-Objektiv auf eine DX-Kamera setzt, erhält man einen Bildwinkel und eine Vergrößerung ähnlich einem 75-mm-Objektiv auf einer FX-Kamera. Die einfache Rechnung: 50 x 1,5 = 75.
Gängige Brennweiten und wofür sie sich eignen
Hier sind einige der am häufigsten verwendeten Brennweiten und wie sie typischerweise bei Fotos und Videos eingesetzt werden:

Ultraweitwinkel (8 – 24 mm)
Am besten für:
- Landschaftsaufnahmen
- Architektur
- Dramatische, kreative Bildkompositionen
Look:
- Sehr großer Bildwinkel
- Starke perspektivische Verzeichnung
Probiert folgende Objektive aus: NIKKOR Z 20mm f/1.8 S, NIKKOR Z 14-30mm f/4 S, NIKKOR Z 17-28mm f/2.8, NIKKOR Z DX 12-28mm f/3.5-5.6 PZ VR, NIKKOR Z 24mm f/1.8 S

Weitwinkel: 24-35 mm
Am besten für:
- Straßenfotografie
- Reisen
- Porträts im Reportagestil
Look:
- Natürlich und dennoch weitwinklig
- Ideal für Storytelling mit Kontext
Probiert folgende Objektive aus: NIKKOR Z DX 24mm f/1.7, NIKKOR Z 26mm f/2.8, NIKKOR Z 28mm f/2.8, NIKKOR Z DX 16-50mm f/3.5-6.3 VR, NIKKOR Z DX 35mm f/1.4


Standard (35-70 mm)
Am besten für:
- Alltagsfotos
- Porträts
- Kinoreife Filmaufnahmen
- Hochzeiten
Look:
- Kommt dem natürlichen Seheindruck am nächsten
- Ausgewogene und natürliche Perspektive
Beliebte Wahl: Ein lichtstarkes 50-mm-Objektiv wird wegen seiner Vielseitigkeit oft als Standard bezeichnet. Ein 24–70-mm-Zoomobjektiv, das einen großen Brennweitenbereich abdeckt, ist ein wirklich flexibles Werkzeug.
Probiert folgende Objektive aus: NIKKOR Z 40mm f/2, NIKKOR Z 35mm f/1.8 S, NIKKOR Z 50mm f/1.8 S, NIKKOR Z 28-75mm f/2.8


Tele (70 – 200 mm)
Am besten für:
- Porträts
- Hochzeiten
- Motivisolation
- Eng angeschnittene Fotos und Video-Close-ups
Look:
- Schmeichelhaft für Gesichter ohne Verzerrung
- Hintergründe mit weicher Unschärfe
Probiert folgende Objektive aus: NIKKOR Z 70-180mm f/2.8, NIKKOR Z 85mm f/1.8 S, NIKKOR Z 135mm f/1.8 S Plena, NIKKOR Z 70-200mm f/2.8 S, NIKKOR Z DX 50-250mm f/4.5-6.3 VR

Super-Teleobjektiv (mehr als 300 mm)
Am besten für:
- Tiere und Natur
- Sport
- Entfernte Motive
Look:
- Starke Verdichtung der Bildebenen
- Sehr enges Sehfeld
Probiert folgende Objektive aus: NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, NIKKOR Z 100-400mm f/4.5-5.6 VR S, NIKKOR Z 400mm f/4.5 VR S, NIKKOR Z 600mm f/6.3 VR S
Für eine schnelle Auswahl
Wenn ihr nicht genau wisst, wo ihr anfangen sollt, euch aber für ein bestimmtes Motiv interessiert, findet ihr hier einige Empfehlungen.
- Reisen/Alltag: 24–70-mm-Zoomobjektiv, 35-mm- oder 50-mm-Festbrennweite
- Porträts: zwischen 50 und 135 mm
- Landschaften: 16–35 mm
- Tierwelt/Sport: mehr als 200 mm
Probiert es einfach mal aus
Die Brennweite ist nicht nur eine technische Angabe, sondern ein kreatives Werkzeug. Sie bestimmt, wie der Betrachter eine Szene erlebt – von der gefühlten Nähe zum Motiv bis hin zur Wahrnehmung von Raum und Tiefe. Sobald ihr verstanden habt, wie sich unterschiedliche Brennweiten auf eure Fotos oder Filmaufnahmen auswirken, werdet ihr Objektive nicht mehr nur nach praktischen Gesichtspunkten auswählen – sondern danach, welche Geschichte ihr erzählen möchtet.
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